Oder: Stapsen-Bräune
Ich kann leider nicht bis zum Ende dieses Textes warten um mein Highlight des Tages zu erzählen. Man sollte das ja so machen, Spannungsbogen und so. Aber ich schaff es nicht. Es ist diese Frau, die rechts von mir lag. Solange ich auf dem Bauch blieb war sie rechts, wenn ich mich auf den Rücken drehte war sie plötzlich links. Aber dann auch hinter mir und so kann ich sie ja nicht mehr sehen.
Also drehen wir uns doch gemeinsam wieder auf den Bauch, haken die Zehenspitzen im Boden ein und stützen uns auf die Ellenbogen. Und dann sehen wir sie, die genialste Bräune aller Zeiten. Schöne lange Frauenbeine ganz in Milchschoggi-Bräune getränkt. Ganz? Nein nicht ganz – in der Mitte der Oberschenkel zieht sich ein klarer Streifen durch die Haut. Hier wechselt die Tönung von Schoggi zu Sahne. Zuerst dachte ich die junge Dame hätte vergessen die Stapsen abzuziehen, als sie sich in den Bikini geschmissen hatte. Nichts Ungewöhnliches für die Gesellschaftsstruktur Zürichs, die an diesem Flecken mit einem präsentablen Querschnitt vertreten ist. Aber bei längerem betrachten komme ich zu dem Schluss: sie hat Straps-Bräune. Ich fange an mir vorzustellen, dass sie diese nicht bei kilometerweiten Velotouren an der Sonne eingebrutzelt hat, sondern, dass heute Morgen in ihrem Briefkasten ein Werbeflyer lag. „Neu Neu Neu – erleben Sie Bräune in neuer Dimension, das innovative Bräunungssystem von Sparkel zaubert Ihnen nicht einfach goldige Bräune auf die Haut, sondern schmückt Sie gleichzeitig mit individueller Accessoire-Bräunung. Verführen Sie mit dieser Technologie und überraschen Sie einmal ganz neu.“ Wer würde nach so einem Text nicht auch ins Studio um die Ecke laufen und sich zwischen Karo-, Nadelstreifen- und Strapsbräunung für die optische Abgrenzung entscheiden.
An diesem Flecken Grashalmansammlung in Zürich würden sich sicher ein paar Menschen (hier absichtlich undefinierten Geschlechtes) finden. Ich dreh mich mal wieder auf den Rücken und lasse die Dame hinter mir. Sie hat sowieso gerade Besuch bekommen. Hier auf der Wiese tummeln sich wie schon gesagt ein ganzer Haufen Städtler aus allen möglichen und unmöglichen Teilen der Gesellschaft. Es zeigt sich eine pseudo Loyalität gegenüber den sonst getrennt lebenden Persönlichkeiten, die ihnen manchmal selbst ungeheuer wird. So zum Beispiel der Vater, der mit seiner Tochter, wahrscheinlich gerade 6 Jahre alt geworden, ein Plätzchen sucht. Dort erspäht er ein, ihm passend erscheinenden, Raum zwischen den zahlreichen Badetüchern. Er schnallt sich den Rucksack von den Schultern und schaut sich in seinem neuen Umfeld um. Noch während er sich nervös am Handy-Halter in Hüfthöhe festhält, entdeckt er eine junge Frau neben sich, die gerade in aller Ruhe dabei ist, einen Joint zu bauen. Aus rein pädagogischer Sicht, müsste er jetzt weiter ziehen, aber die Dame hat ihn schon entdeckt und lächelt zuvorkommend hinter der Sonnenbrille vor. Da hat er keine Chance mehr. Als offener Stadtmensch findet man ja solche grauzone-legalen Handlungen völlig okay und vielleicht sollte man diesen Wert auch an die Tochter weiter geben? Sie lassen sich nieder, auf ihrer karierten Picknickdecke, mit dem Hello-Kitty-Ball und der passenden Trinkflasche. Ist warm Kind, trink ausreichend. Auch ein guter, pädagogischer Rat.
Hinter mir (wenn ich auf dem Rücken liege, ansonsten links vor mir) haben sich ein paar alternde Party-Szenies versammelt. Es fing harmlos mit zweien an, die sogar schon baden waren um anschliessend jeweils drei ihrer „besten Freunde“ via Telefon darüber Bericht zu erstatten. Wer in Züri zum In-Volk zählen will, muss ja irgendwie alles als erster gemacht haben. Da kann man den ersten (unfassbar kalten)Schwumm im See nicht auslassen, bloss weils unangenehm ist. Pfennig-Absatz-Schuhe sind auch nicht bequem, aber eben – schwer angesagt. Von den Herren lerne ich, dass man jetzt nicht mehr am Letten hängt im Sommer. Weil es ja schon der „ends geilschtä Ort xsi isch“ in den letzten Jahren, aber eben – seit dieser Saison hängen „diä huerä Drögis“ mit „dä Teller-Oigä“ dort. Und die sind zwischen 8 Uhr morgens und 23 Uhr abends echt uncool. Das hilft auch alle Städtler-Loyalität nichts mehr. Sowieso an so einem Wochenende gibt es ganz klar zwei Party-Fokus-Abende. Donnerstag (und der war natürlich unvergesslich) und Sonntag. Weil am Sonntag endlich mal alle im Ausgang sind, nicht nur die Telleraugen-Menschen.
Fussball spielt man auch nicht mehr, man diskutiert darüber. Wichtig sind dabei die internationalen Vereine, in Kombination mit den tollen Stadien. Oder man posiert auf dem Ball. In der Beugung von 110-Grad kommt der Oberschenkelmuskel schön zur Geltung und die Wade liegt wie auf einem Silbertablett, erhöht im Sichtfeld. Nein man spielt kein Fussball mehr. Man spiel Speedminton. Wenn mans kann. Die vorhin konnten es, da hats auch Spass gemacht zu zusehen, aber die beiden könnens nicht. Und die Tribüne kommentiert live mit. Das Urteil ist vernichtend. In meinem inneren Auge notiere ich mir: „Niemals Speedminton in der Öffentlichkeit ausprobieren.“
Also drehe ich mich wieder auf den Bauch und packe mein Buch aus. Da steht „Sarkasmus und Zynismus verhalten sich zueinander wie Böshaftigkeit und Bösartigkeit.“ Ich glaube die Livekommentatoren dieses Samstagnachmittags sind alles auf einmal und wissen vom meisten nicht mal wie man es schreibt.
Samstag, 23. April 2011
Montag, 14. März 2011
Berlin, das ist ein Power-Nap von meinem Büro entfernt.
Kann nicht so weit sein. Und hinter der Hotelzimmer-Türe wartet auch schon eine Überraschung auf uns: Treppen. Ein Maisonett-Zimmer. Wo gibts denn so was? In Berlin natürlich.
Wir haben keinen Plan und das haben wir auf seitenweisen Plänen zusammengefasst. Druckerschwärze hat sich an unseren Fingerspitzen angeheftet. Wir lesen Strassennamen, Clubnamen und Haltestellennamen und versuchen diese auf unserem Stadtplan wiederzufinden. Den Stadtplan hat uns ein netter Herr am BVG-Schalter übergeben. Er hatte einen furchtbaren Silberblick und grinste mich an "Männer mit Brille haben immer den Durchblick, fragn se mich nur!"
Typisch Touristen stehen wir natürlich viel zu früh vorm Club. Um 12 macht der erst auf, was sonst? Schliesslich sollte man ja dann bis am Morgen um 10 dort bleiben. Um die Ecke stehen noch mehr Leute und von drinnen tönen Bässe. Kann man etwa hier schon tanzen? Wir stehen die Reihe und werden schief angesehen. Dorf-Kinder. Man siehts uns an. Liegts an den Schuhen? Ich tippe dem Herrn vor mir auf die Schulter und frage: Steht ihr für die Bar an? Er lächelt mich an und hebt die Augenbraue: Wir stehen für eine Party an, die eher nur für Männer ist. Um die Blamage noch zu perfektionieren zwinkert er mich an und deutet auf die Warteschlange. Nö, ausser uns keine Muschis. Mist!
Der Türsteher von der Panorama-Bar ist lieb zu uns. Lieber als zu 50% der Menschen vor uns. Obs daran liegt, dass wir die Perlenohrringe spontan in der Handtasche verschwinden lassen haben? Wahrscheinlich (nicht), aber wir sind drinnen. Und drei Stunden später wieder raus. Die grossen Cocktails hat der Barkeeper den "Angestellten" vorbehalten, beleidigt haben wir uns auf die Tanzfläche geschmissen. Bisschen zappeln. Einer lächelt, ich lächle zurück. Nett diese Berliner. Hach. Hm, er lächelt immer noch. Ich gucke weg. Gucke wieder hin und er lächelt, ja er lächelt durch mich hindurch. Schöne Welt in die er sich da rein katapultiert hat. Ob ich wohl eine Blume bin dort? Er lächelt.
Barbarella empfängt uns eine lustige Taxifahrt später in ihrem warmen Schoss. Hier fühl ich mich zuhause. Er auch. Er schläft friedlich. Während der Rest tanzt. Die Hände in die Höhe gerissen, die Knie bis zum Verderben gebeugt. Dazwischen wippt jedes Körperteil zum Takt. Oder auch nicht zum Takt. Aber es wippt. Brauner Kord über Schaumstoff gespannt läd uns zum Verweilen ein, Kino ohne Popcorn aber mehr Witz wie alle "Meine ... & ... & ich"-Filme zusammen.
Mit ner dicken Sonnenbrille und einen grossen Becher Kaffee können wir am nächsten Morgen sogar Sightseeing machen. Einmal an der Pflasterstein-Linie vorbei wackeln, mit gesenktem Kopf ins Mahnmal tauchen und vorm Bundestag so lange vor dem Selbstauslöser hoch und runter springen bis das Meisterwerk voll bracht ist. So ist Berlin für Touristen nun mal. Wir machen das Beste draus. Wir lassen auch Geld da, weil man das ebenso macht. Im Tausch gegen Kleidchen, Schmuck und Schuhe ist das auch ein fairer Handel. Wir tauschen auch Geld gegen Pizza, solche, die grösser ist als der Teller darunter. Starren dabei auf das Rote Rathaus und den Mond und jammern, dass das Wochenende schon fast vorbei ist. Ist es aber gar nicht.
Es hat gerade erst begonnen, in dem Moment als wir den Augenaufschlag vorm Türsteher üben. Weil vor uns mal wieder Gäste-Selektion par excellence zelebriert wird. Und dann sitzen wir da, das Wasser zu unseren Füssen den Bass im Nacken. Im Sommer wär das umgekehrt fast schöner. Aber zum Glück ist nicht Sommer. Zum Glück? Nicht Sommer? Beim Brunch in der Simon Dach Strasse fühlen wir uns wie Berlinerinnen im Hochsommer. Schade, müssen wir schon wieder gehen.
Wir haben keinen Plan und das haben wir auf seitenweisen Plänen zusammengefasst. Druckerschwärze hat sich an unseren Fingerspitzen angeheftet. Wir lesen Strassennamen, Clubnamen und Haltestellennamen und versuchen diese auf unserem Stadtplan wiederzufinden. Den Stadtplan hat uns ein netter Herr am BVG-Schalter übergeben. Er hatte einen furchtbaren Silberblick und grinste mich an "Männer mit Brille haben immer den Durchblick, fragn se mich nur!"
Typisch Touristen stehen wir natürlich viel zu früh vorm Club. Um 12 macht der erst auf, was sonst? Schliesslich sollte man ja dann bis am Morgen um 10 dort bleiben. Um die Ecke stehen noch mehr Leute und von drinnen tönen Bässe. Kann man etwa hier schon tanzen? Wir stehen die Reihe und werden schief angesehen. Dorf-Kinder. Man siehts uns an. Liegts an den Schuhen? Ich tippe dem Herrn vor mir auf die Schulter und frage: Steht ihr für die Bar an? Er lächelt mich an und hebt die Augenbraue: Wir stehen für eine Party an, die eher nur für Männer ist. Um die Blamage noch zu perfektionieren zwinkert er mich an und deutet auf die Warteschlange. Nö, ausser uns keine Muschis. Mist!
Der Türsteher von der Panorama-Bar ist lieb zu uns. Lieber als zu 50% der Menschen vor uns. Obs daran liegt, dass wir die Perlenohrringe spontan in der Handtasche verschwinden lassen haben? Wahrscheinlich (nicht), aber wir sind drinnen. Und drei Stunden später wieder raus. Die grossen Cocktails hat der Barkeeper den "Angestellten" vorbehalten, beleidigt haben wir uns auf die Tanzfläche geschmissen. Bisschen zappeln. Einer lächelt, ich lächle zurück. Nett diese Berliner. Hach. Hm, er lächelt immer noch. Ich gucke weg. Gucke wieder hin und er lächelt, ja er lächelt durch mich hindurch. Schöne Welt in die er sich da rein katapultiert hat. Ob ich wohl eine Blume bin dort? Er lächelt.
Barbarella empfängt uns eine lustige Taxifahrt später in ihrem warmen Schoss. Hier fühl ich mich zuhause. Er auch. Er schläft friedlich. Während der Rest tanzt. Die Hände in die Höhe gerissen, die Knie bis zum Verderben gebeugt. Dazwischen wippt jedes Körperteil zum Takt. Oder auch nicht zum Takt. Aber es wippt. Brauner Kord über Schaumstoff gespannt läd uns zum Verweilen ein, Kino ohne Popcorn aber mehr Witz wie alle "Meine ... & ... & ich"-Filme zusammen.
Mit ner dicken Sonnenbrille und einen grossen Becher Kaffee können wir am nächsten Morgen sogar Sightseeing machen. Einmal an der Pflasterstein-Linie vorbei wackeln, mit gesenktem Kopf ins Mahnmal tauchen und vorm Bundestag so lange vor dem Selbstauslöser hoch und runter springen bis das Meisterwerk voll bracht ist. So ist Berlin für Touristen nun mal. Wir machen das Beste draus. Wir lassen auch Geld da, weil man das ebenso macht. Im Tausch gegen Kleidchen, Schmuck und Schuhe ist das auch ein fairer Handel. Wir tauschen auch Geld gegen Pizza, solche, die grösser ist als der Teller darunter. Starren dabei auf das Rote Rathaus und den Mond und jammern, dass das Wochenende schon fast vorbei ist. Ist es aber gar nicht.
Es hat gerade erst begonnen, in dem Moment als wir den Augenaufschlag vorm Türsteher üben. Weil vor uns mal wieder Gäste-Selektion par excellence zelebriert wird. Und dann sitzen wir da, das Wasser zu unseren Füssen den Bass im Nacken. Im Sommer wär das umgekehrt fast schöner. Aber zum Glück ist nicht Sommer. Zum Glück? Nicht Sommer? Beim Brunch in der Simon Dach Strasse fühlen wir uns wie Berlinerinnen im Hochsommer. Schade, müssen wir schon wieder gehen.
Freitag, 11. Februar 2011
Jeder ist seines Glückes Schmied
oder: (k)eine Gebrauchsanweisung beiliegend!
So sagt man doch, oder? Jeder ist seines Glückes Schmied. Und ich glaube auch ganz fest daran. Aber glauben ist eben nicht handeln, oder in diesem Fall: schmieden.
Ich finde das Sprichwort auch sonst recht gemein, denn das Zusammensetzen, Formen und stolz in die Höhe halten von Glück bereitet mir nicht so sehr Mühe. Viel mehr leide ich daran, dass ich nicht genau weiss, mit welchen Materialien man denn so ein Glück eigentlich schmiedet.
So ein Schmied fasst hinter sich ins Regal und hat seine Metalle griffbereit. Also schau ich hinter mich, ich schaue unter meinem Bett, ich schaue in der Küche und im Badezimmer-Schrank. Aber so richtig finde ich nichts, aus dem ich mir so ein massangefertigtes Glück schmieden kann. Irgendwie hat man vergessen mir hierfür eine Bedienungsanleitung mit zu geben.
Aber wonach schaue ich eigentlich? Gut, ich sehe ein, ich sollte systematisch vorgehen. Wie sieht Glück aus, bevor man es geschmiedet hat? Bei Metall ist das vordefiniert.
Physikalische Eigenschaften von Metall: Glanz, Undurchsichtigkeit, gute elektrische Leitfähigkeit, gute thermische Leitfähigkeit, gute Verformbarkeit, relativ hoher Schmelzpunkt. Damit kann ich jetzt jeden Raum betreten und weiss, wo sich Metall befindet. Wie wäre es denn, wenn man einen Raum betreten könnte, seinen Blick schweifen lassen könnte und dabei hier und da ein funkelndes Stückchen Glück-Rohmasse entdeckt. Vorsorglich habe ich letzte Woche bei H&M eine schöne Tasche gekauft und dort würde ich die Teile hinein stecken. Zuhause breite ich sie dann auf meiner Bettdecke aus, sortiere sie nach Grösse, Farbe und Glanz und dann bastel ich los. Mit meinem Feuerzeug schmelze ich die Kanten an, presse die Teile zusammen und forme drauf los. Stück für Stück bildet sich vor mir das Glück. Es funkelt und glitzert, es ist bunt wie ein Hundertwasserhaus und weich wie aus der Perwollwerbung. Egal wie ich es drehe und wende, es sieht immer anders aus, sobald es einmal zusammengesetzt ist, kann man es nicht mehr fassen. Es ist einfach da. Es ist zerbrechlich, wenn man nicht aufpasst. Manchmal bricht ein Stück heraus, dann kann man das Gebilde einfach weiter drehen ... oder aber, man schnappt sich seine Handtasche und sucht ein neues Stückchen, das an den Fleck passt.
Das tolle an diesem durchsichtigen Glück ist, dass es nicht besser, schöner oder grösser wird, weil man ein Foto davon auf facebook stellt. Keine hundert kleine Pixel-Daumen könnten dem wahren Glück was anhaben. Aber es wird grösser, wenn man es teilt, so richtig teilt. So, wie man einen Topf Pasta zwischen zwei Freundinnen aufteilt.
Die Zusammensetzung für Glücksrohmasse sind also Fantasie, Kraft, Freude, Liebe, Farbe und ein grosser Topf in dem man das alles sammeln, mischen und wieder daraus schöpfen kann.
Ich wandle weiter durch meine Wohnung, auf der Suche nach meiner Glücks-Rohmasse. Und da sehe ich etwas glänzen. Ich trete näher, bestaune die Undurchsichtigkeit meines Fundes. Ich muss lachen, als ich sehe wie viel Energie es gesammelt hat und wie viel Wärme es ausstrahlt, je nach Situation verformt sich mein Fund ein wenig, es schmilzt aber nur in ganz besonderen Momenten dahin, wenn es sich lohnt und so richtig umgarnt wird. Nach der Definition muss es ein Metall sein. Welches nur, ich betrachte es nochmals ganz genau und stelle fest: es ist mein Spiegelbild.
So sagt man doch, oder? Jeder ist seines Glückes Schmied. Und ich glaube auch ganz fest daran. Aber glauben ist eben nicht handeln, oder in diesem Fall: schmieden.
Ich finde das Sprichwort auch sonst recht gemein, denn das Zusammensetzen, Formen und stolz in die Höhe halten von Glück bereitet mir nicht so sehr Mühe. Viel mehr leide ich daran, dass ich nicht genau weiss, mit welchen Materialien man denn so ein Glück eigentlich schmiedet.
So ein Schmied fasst hinter sich ins Regal und hat seine Metalle griffbereit. Also schau ich hinter mich, ich schaue unter meinem Bett, ich schaue in der Küche und im Badezimmer-Schrank. Aber so richtig finde ich nichts, aus dem ich mir so ein massangefertigtes Glück schmieden kann. Irgendwie hat man vergessen mir hierfür eine Bedienungsanleitung mit zu geben.
Aber wonach schaue ich eigentlich? Gut, ich sehe ein, ich sollte systematisch vorgehen. Wie sieht Glück aus, bevor man es geschmiedet hat? Bei Metall ist das vordefiniert.
Physikalische Eigenschaften von Metall: Glanz, Undurchsichtigkeit, gute elektrische Leitfähigkeit, gute thermische Leitfähigkeit, gute Verformbarkeit, relativ hoher Schmelzpunkt. Damit kann ich jetzt jeden Raum betreten und weiss, wo sich Metall befindet. Wie wäre es denn, wenn man einen Raum betreten könnte, seinen Blick schweifen lassen könnte und dabei hier und da ein funkelndes Stückchen Glück-Rohmasse entdeckt. Vorsorglich habe ich letzte Woche bei H&M eine schöne Tasche gekauft und dort würde ich die Teile hinein stecken. Zuhause breite ich sie dann auf meiner Bettdecke aus, sortiere sie nach Grösse, Farbe und Glanz und dann bastel ich los. Mit meinem Feuerzeug schmelze ich die Kanten an, presse die Teile zusammen und forme drauf los. Stück für Stück bildet sich vor mir das Glück. Es funkelt und glitzert, es ist bunt wie ein Hundertwasserhaus und weich wie aus der Perwollwerbung. Egal wie ich es drehe und wende, es sieht immer anders aus, sobald es einmal zusammengesetzt ist, kann man es nicht mehr fassen. Es ist einfach da. Es ist zerbrechlich, wenn man nicht aufpasst. Manchmal bricht ein Stück heraus, dann kann man das Gebilde einfach weiter drehen ... oder aber, man schnappt sich seine Handtasche und sucht ein neues Stückchen, das an den Fleck passt.
Das tolle an diesem durchsichtigen Glück ist, dass es nicht besser, schöner oder grösser wird, weil man ein Foto davon auf facebook stellt. Keine hundert kleine Pixel-Daumen könnten dem wahren Glück was anhaben. Aber es wird grösser, wenn man es teilt, so richtig teilt. So, wie man einen Topf Pasta zwischen zwei Freundinnen aufteilt.
Die Zusammensetzung für Glücksrohmasse sind also Fantasie, Kraft, Freude, Liebe, Farbe und ein grosser Topf in dem man das alles sammeln, mischen und wieder daraus schöpfen kann.
Ich wandle weiter durch meine Wohnung, auf der Suche nach meiner Glücks-Rohmasse. Und da sehe ich etwas glänzen. Ich trete näher, bestaune die Undurchsichtigkeit meines Fundes. Ich muss lachen, als ich sehe wie viel Energie es gesammelt hat und wie viel Wärme es ausstrahlt, je nach Situation verformt sich mein Fund ein wenig, es schmilzt aber nur in ganz besonderen Momenten dahin, wenn es sich lohnt und so richtig umgarnt wird. Nach der Definition muss es ein Metall sein. Welches nur, ich betrachte es nochmals ganz genau und stelle fest: es ist mein Spiegelbild.
Dienstag, 28. Dezember 2010
Kleine sadistische Mädchen
Oder: SSS Schlitten Super Soldiers
Weihnachten kurz und schmerzlos. Einer schnappt die Päckchen unterm Baum, entziffert beim Wegtragen das Namenschild und schiebt es dem Empfänger durch den Raum zu. Kaum hat er sich umgedreht um diese Prozedur zu wiederholen, bis unter dem Baum nur noch Tropfen von heissem Wachs und verdorrte Tannennadeln übrig bleiben, fliegen hinter ihm Fetzen von bunt bemustertem Papier durch die Luft. Kleine Rentiere, die auf naturgebleichtes Papier verbannt wurden, bewegen sich tollpatschig durch die Hitze des Raumes und landen unbeachtet zwischen Couchkissen. Dort bleiben sie liegen, bis sich ein mit Weihnachtsessen vollgestopfter Hintern drauf setzt. Unter dieser Last zieht der Pantone-Rudolpf es vor, sich vor dem Weihnachtsspektakel zu verstecken. Die Schleife, die Rudolf und einen weit weniger hübschen Karton bis anhin verbunden hatte, hat sich in ein zu verachtendes Band verwandelt. Der Charme und die Würde, die die roten, verwebten Fänden durch die kunstvolle Mutation beim Verschlingen zu einer Schleife erlangt hatten, sind längst verflogen. Übrig bleiben hunderte kleiner Falten und die Belanglosigkeit, einfach nur Dekoration gewesen zu sein. Die Fassade ist hinunter, der Bann gebrochen. Auf dem Schlachtfeld steht nun noch die Kavallerie aus glänzenden, herausgeputzten, leuchtenden Stücken. Beobachtet von den gefallenen Soldaten mit glänzenden, bewundernden Augen. Eine besonders kleine Soldatin bahnt sich den Weg durch das Schlamassel. Die kleinen Füsse kommen kaum über die Papierberge hinüber, in einem letzten Versuch wagt ein besonders vorwitziges Geschenkband sich um das Bein zu schlingen. Doch die Soldatin kämpft sich tapfer voran, das Ziel vor Augen. Das schwarze Steuerrad hebt sich unmerklich vom roten Grund ab. Die Aufgabe des kürzlich befreiten Objekts muss ausfindig gemacht werden. Es fehlen Räder und ein Dach, dennoch dient das Vehikel offensichtlich zur Fortbewegung. Wie nur?
Weihnachten kurz und schmerzlos. Einer schnappt die Päckchen unterm Baum, entziffert beim Wegtragen das Namenschild und schiebt es dem Empfänger durch den Raum zu. Kaum hat er sich umgedreht um diese Prozedur zu wiederholen, bis unter dem Baum nur noch Tropfen von heissem Wachs und verdorrte Tannennadeln übrig bleiben, fliegen hinter ihm Fetzen von bunt bemustertem Papier durch die Luft. Kleine Rentiere, die auf naturgebleichtes Papier verbannt wurden, bewegen sich tollpatschig durch die Hitze des Raumes und landen unbeachtet zwischen Couchkissen. Dort bleiben sie liegen, bis sich ein mit Weihnachtsessen vollgestopfter Hintern drauf setzt. Unter dieser Last zieht der Pantone-Rudolpf es vor, sich vor dem Weihnachtsspektakel zu verstecken. Die Schleife, die Rudolf und einen weit weniger hübschen Karton bis anhin verbunden hatte, hat sich in ein zu verachtendes Band verwandelt. Der Charme und die Würde, die die roten, verwebten Fänden durch die kunstvolle Mutation beim Verschlingen zu einer Schleife erlangt hatten, sind längst verflogen. Übrig bleiben hunderte kleiner Falten und die Belanglosigkeit, einfach nur Dekoration gewesen zu sein. Die Fassade ist hinunter, der Bann gebrochen. Auf dem Schlachtfeld steht nun noch die Kavallerie aus glänzenden, herausgeputzten, leuchtenden Stücken. Beobachtet von den gefallenen Soldaten mit glänzenden, bewundernden Augen. Eine besonders kleine Soldatin bahnt sich den Weg durch das Schlamassel. Die kleinen Füsse kommen kaum über die Papierberge hinüber, in einem letzten Versuch wagt ein besonders vorwitziges Geschenkband sich um das Bein zu schlingen. Doch die Soldatin kämpft sich tapfer voran, das Ziel vor Augen. Das schwarze Steuerrad hebt sich unmerklich vom roten Grund ab. Die Aufgabe des kürzlich befreiten Objekts muss ausfindig gemacht werden. Es fehlen Räder und ein Dach, dennoch dient das Vehikel offensichtlich zur Fortbewegung. Wie nur?
Mittwoch, 15. Dezember 2010
E-Mail für Dich!
Ein ganz normaler Bürotag
Gesendet: Fr 03.12.2010 09:21
„Sehr geehrte Partner,
anbei senden wir Ihnen die aktuelle Aktion im Dezember 2010:
Beim Kauf einer Tape Library bis zum 31.Dezember 2010 erhalten Sie eine KOSTENLOSE Advanced Reporting-Lizenz.
Alle Details entnehmen Sie dem Flyer anbei. Für alle Fragen und Auskünfte stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Ihr Ansprechspartner:
XXXX
Einen schönen Tag.
Freundliche Grüsse / Kind regards“
Gesendet: Freitag, 3. Dezember 2010 10:37
„Aiaiai... jetzt fängst du schon an zu spammen :-))
Na, geht’s dir gut? Hier bei der xxx sind alles Deutsche... und ich fall schon wieder in die gleiche Rhetorische Falle :-(
PS.. antworte doch auf xxx
Grüsse,
X“
Gesendet: Freitag, 3. Dezember 2010 11:10
Sehr geehrter Herr xxx,
herzlichen Dank für Ihr Mail. Es tut uns leid, dass sie sich durch unsere exklusiven Informationen belästigt fühlen. Bitte beachten Sie jedoch, den ENORMEN Nutzen, den Sie durch unser Informations-System erhalten und überdenken Ihre Beschwerde noch einmal.
Gerne möchten wir Sie in unserer Adresskartei korrigiert einsetzen, können Sie mir hierzu Ihre neuen Koordinaten zukommen lassen?
Für den retorischen Umgang mit der deutschen Spezies empfehle ich Ihnen: einfach darauf los reden, und alles "kriegen" und "asap fordern" - so fühlt sich die Spezies schnell zuhause und eine schwerfällige Integration im neuen Umfeld bleibt ihr erspart. Geben Sie ihr reichlich Currywurst zur Ernährung und fügen Sie ab und an ein Tröpfchen Bier bei, dann wird sie sich wohlig auf dem Boden wälzen, die Beine von sich gestreckt und heitere Laute von sich geben.
Bis auf weiteres verbleibe ich mit besten Grüsse.
Hochachtungsvoll – MM“
Gesendet: Freitag, 3. Dezember 2010 12:06
„Sehr geehrte Frau xxx
Zuerst möchte ich mich bei Ihnen für Ihr ausführliches Mail bedanken und bestätige Ihnen hiermit, dass Ihr Newsletter für mich einen ENORMEN Nutzen bringt:
- Tägliche Prüfung der Antispam Lösung.
Gerne bestätige ich Ihnen hiermit, dass meine Spamlösung entsprechend funktioniert.
Meine Koordinaten in Ihrem System sind weiterhin korrekt und bedürfen an keiner Anpassung.
Ihre Tipps bezüglich einfacher Integration werde ich gerne austesten und Ihnen mein Feedback weiterleiten.
Dafür habe ich folgende Checkliste erarbeitet:
Bitte um Feedback oder Ergänzungen.
Freundliche Grüsse zur xxx wünscht Ihnen hochachtungsvoll und verbeugend,
M Gustav Heinrich X“
Gesendet: Freitag, 3. Dezember 2010 15:35
„Werter Herr X,
in Vorbeugung weiterer Verbeugungen erwähne ich an dieser Stelle, dass dies durchaus nicht notwendig ist.
Da Sie die Umsetzung Ihrer eigenen Integration in ein germanistisches Umfeld erst zum Ende des kommenden Jahres planen, bitte ich Sie, bis dahin Ihren Aufenthalt unter der Spezies bis auf weiteres von starkem "Eigenverhalten" zu prägen, um eine klare Grenze zwischen den beiden Populationen aufzuzeigen. Mögliche Verhaltensweisen hierfür sind: lautes Ausrufen von spezieseigenen Lauten (zum Beispiel "Chr chr cccchr"), regelmässiges auf- und abstolzieren an den Territoriumsgrenzen und die Kennzeichnung ihres Reviers durch urinieren.
Bitte teilen Sie uns bei Gelegenheit Ihre Forschungsergebnisse mit.
Ein schönes Wochendende,
Prof. MM“
Gesendet: Fr 03.12.2010 09:21
„Sehr geehrte Partner,
anbei senden wir Ihnen die aktuelle Aktion im Dezember 2010:
Beim Kauf einer Tape Library bis zum 31.Dezember 2010 erhalten Sie eine KOSTENLOSE Advanced Reporting-Lizenz.
Alle Details entnehmen Sie dem Flyer anbei. Für alle Fragen und Auskünfte stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.
Ihr Ansprechspartner:
XXXX
Einen schönen Tag.
Freundliche Grüsse / Kind regards“
Gesendet: Freitag, 3. Dezember 2010 10:37
„Aiaiai... jetzt fängst du schon an zu spammen :-))
Na, geht’s dir gut? Hier bei der xxx sind alles Deutsche... und ich fall schon wieder in die gleiche Rhetorische Falle :-(
PS.. antworte doch auf xxx
Grüsse,
X“
Gesendet: Freitag, 3. Dezember 2010 11:10
Sehr geehrter Herr xxx,
herzlichen Dank für Ihr Mail. Es tut uns leid, dass sie sich durch unsere exklusiven Informationen belästigt fühlen. Bitte beachten Sie jedoch, den ENORMEN Nutzen, den Sie durch unser Informations-System erhalten und überdenken Ihre Beschwerde noch einmal.
Gerne möchten wir Sie in unserer Adresskartei korrigiert einsetzen, können Sie mir hierzu Ihre neuen Koordinaten zukommen lassen?
Für den retorischen Umgang mit der deutschen Spezies empfehle ich Ihnen: einfach darauf los reden, und alles "kriegen" und "asap fordern" - so fühlt sich die Spezies schnell zuhause und eine schwerfällige Integration im neuen Umfeld bleibt ihr erspart. Geben Sie ihr reichlich Currywurst zur Ernährung und fügen Sie ab und an ein Tröpfchen Bier bei, dann wird sie sich wohlig auf dem Boden wälzen, die Beine von sich gestreckt und heitere Laute von sich geben.
Bis auf weiteres verbleibe ich mit besten Grüsse.
Hochachtungsvoll – MM“
Gesendet: Freitag, 3. Dezember 2010 12:06
„Sehr geehrte Frau xxx
Zuerst möchte ich mich bei Ihnen für Ihr ausführliches Mail bedanken und bestätige Ihnen hiermit, dass Ihr Newsletter für mich einen ENORMEN Nutzen bringt:
- Tägliche Prüfung der Antispam Lösung.
Gerne bestätige ich Ihnen hiermit, dass meine Spamlösung entsprechend funktioniert.
Meine Koordinaten in Ihrem System sind weiterhin korrekt und bedürfen an keiner Anpassung.
Ihre Tipps bezüglich einfacher Integration werde ich gerne austesten und Ihnen mein Feedback weiterleiten.
Dafür habe ich folgende Checkliste erarbeitet:
Bitte um Feedback oder Ergänzungen.
Freundliche Grüsse zur xxx wünscht Ihnen hochachtungsvoll und verbeugend,
M Gustav Heinrich X“
Gesendet: Freitag, 3. Dezember 2010 15:35
„Werter Herr X,
in Vorbeugung weiterer Verbeugungen erwähne ich an dieser Stelle, dass dies durchaus nicht notwendig ist.
Da Sie die Umsetzung Ihrer eigenen Integration in ein germanistisches Umfeld erst zum Ende des kommenden Jahres planen, bitte ich Sie, bis dahin Ihren Aufenthalt unter der Spezies bis auf weiteres von starkem "Eigenverhalten" zu prägen, um eine klare Grenze zwischen den beiden Populationen aufzuzeigen. Mögliche Verhaltensweisen hierfür sind: lautes Ausrufen von spezieseigenen Lauten (zum Beispiel "Chr chr cccchr"), regelmässiges auf- und abstolzieren an den Territoriumsgrenzen und die Kennzeichnung ihres Reviers durch urinieren.
Bitte teilen Sie uns bei Gelegenheit Ihre Forschungsergebnisse mit.
Ein schönes Wochendende,
Prof. MM“
Mittwoch, 24. November 2010
Milly kauft ein
Oder: Weihnachtsgeschenkepanik
Es ist der 24. November, wer es nicht bemerkt hat – es ist jetzt GENAU ein Monat bis Weihnachten. Bei den meisten Menschen löst diese Tatsache lediglich ein behagliches Lächeln aus. Ich allerdings habe gestern Abend vor dem ins Bett gehen, einen Blick unter mein Bett geworfen. Nicht etwa, dass ich dort Monster oder Gespenster vermuten würde, viel mehr hatte ich die Hoffnung, dass sich schon ein oder zwei, in weihnachtliches Papier geschlagene, Pakete darunter verbergen. Im Gegenteil, nicht einmal das Geschenkband aus dem letzten Jahr lies sich finden. Wahrscheinlich habe ich im letzten Jahr gar keines gehabt.
Alles, zu was ich es die Tage gebracht habe, ist, dass ich mir ein eigenes Geschenk bestellt habe. Die neuen Headphones von Marshall. Sündhaft teuer, aber angeblich eine Wohltat für iPod-Stöpsel-geschädigte Ohrwindungen. Grosse, braune Hörmuscheln – die sich bei den kalten Temperaturen wohlig über die Ohren legen und darunter gleichzeitig das Ohr wärmen und mit sanften Schallwellen massieren. Quasi Wellness für unterwegs. Und seit der Bestellung checke ich alle paar Stunden mit meiner Trackingnummer auf der Fedexwebseite, ob sich das Paket schon bewegt hat. Gestern noch war es plötzlich in Stockholm, seit heute früh verweilt es für ein Frühstück in Paris (ich würde es genau so machen, wenn ich könnte).
Bei aller Vorfreude auf mein Ego-Weihnachten überkommt mich allerdings auch ein permanenter Panikschub. Mutter, Vater, Geschwister und Freunde wollen ja auch noch versorgt sein. Was also tun? Ein Einkaufsbummel durch Amazon in der Mittagspause. Ich lege die Füsse hoch und fahre mit dem Einkaufswagen durch die Regale des Onlinestores. Nebenbei kann ich Mittagessen, Lieblingsmusik hören und meinem Chef vorgaukeln, ich würde die Pause durcharbeiten. Allerdings sind die Ideen des Online-Stores auch schon mal besser gewesen, ich bin knapp davor ein Bildband zu bestellen (er wäre aber wirklich schön gewesen) als mich meine Weihnachtsehre wieder einholt. Da muss ich wohl noch mal ran… wenn Väter nicht schon alles hätten und Freunde nicht „nur kleine Geschenke“ machen wollten. Ideen?
Es ist der 24. November, wer es nicht bemerkt hat – es ist jetzt GENAU ein Monat bis Weihnachten. Bei den meisten Menschen löst diese Tatsache lediglich ein behagliches Lächeln aus. Ich allerdings habe gestern Abend vor dem ins Bett gehen, einen Blick unter mein Bett geworfen. Nicht etwa, dass ich dort Monster oder Gespenster vermuten würde, viel mehr hatte ich die Hoffnung, dass sich schon ein oder zwei, in weihnachtliches Papier geschlagene, Pakete darunter verbergen. Im Gegenteil, nicht einmal das Geschenkband aus dem letzten Jahr lies sich finden. Wahrscheinlich habe ich im letzten Jahr gar keines gehabt.
Alles, zu was ich es die Tage gebracht habe, ist, dass ich mir ein eigenes Geschenk bestellt habe. Die neuen Headphones von Marshall. Sündhaft teuer, aber angeblich eine Wohltat für iPod-Stöpsel-geschädigte Ohrwindungen. Grosse, braune Hörmuscheln – die sich bei den kalten Temperaturen wohlig über die Ohren legen und darunter gleichzeitig das Ohr wärmen und mit sanften Schallwellen massieren. Quasi Wellness für unterwegs. Und seit der Bestellung checke ich alle paar Stunden mit meiner Trackingnummer auf der Fedexwebseite, ob sich das Paket schon bewegt hat. Gestern noch war es plötzlich in Stockholm, seit heute früh verweilt es für ein Frühstück in Paris (ich würde es genau so machen, wenn ich könnte).
Bei aller Vorfreude auf mein Ego-Weihnachten überkommt mich allerdings auch ein permanenter Panikschub. Mutter, Vater, Geschwister und Freunde wollen ja auch noch versorgt sein. Was also tun? Ein Einkaufsbummel durch Amazon in der Mittagspause. Ich lege die Füsse hoch und fahre mit dem Einkaufswagen durch die Regale des Onlinestores. Nebenbei kann ich Mittagessen, Lieblingsmusik hören und meinem Chef vorgaukeln, ich würde die Pause durcharbeiten. Allerdings sind die Ideen des Online-Stores auch schon mal besser gewesen, ich bin knapp davor ein Bildband zu bestellen (er wäre aber wirklich schön gewesen) als mich meine Weihnachtsehre wieder einholt. Da muss ich wohl noch mal ran… wenn Väter nicht schon alles hätten und Freunde nicht „nur kleine Geschenke“ machen wollten. Ideen?
Sonntag, 14. November 2010
Ferienzeit (Preview)

Überhaupt, es ist August und alle packen ihre Koffer und Taschen und setzen sich in irgendeinen Flieger, irgendwo hin. Hauptsache nicht da sein, wo man gerade ist.
Betty liegt mit ihrer Freundin Nini am kroatischen Strand. Zwischen Büchern und Frauen-Zeitschriften philosophieren die beiden übers Leben. „Wie pflanzen sich eigentlich Regenwürmer fort?“ ist die Meldung die ich von den beiden zugesimst bekomme. Die Antwort finde ich auf einer bezaubernden Webseite, in der Viertklässler wiedergeben, was sie im Unterricht gelernt haben. Regenwürmer sind eine sehr emanzipierte Spezies. Sie sind Zwitter. Es wird geknutscht, gefummelt und allerlei Regenwurm-Körperflüssigkeiten ausgetauscht – am Ende sind beide Partner schwanger.
Ich stelle mir vor, wie es wäre, wenn man dieses Prinzip auf Menschen adaptieren würde. Die beste Konsequenz daraus wäre, dass es endlich egal wäre, in wen wir uns verlieben. Ich sehe mich und meinen Phantasie-Traummann auf der Couch sitzen. Beide einen dicken Bauch vor sich. Die Schulterblätter tief in die Kissen gegraben, das Kinn leicht erhoben um über den gewaltigen Bauch hinweg zu sehen. Ich balanciere eine Schale Eiscreme auf meinem Bauchnabel, er einen Teller mit sauren Gurken. Wir lächeln uns an und ich angle mir eine seiner Gurken und lass sie genüsslich durch die Eiscreme gleiten. Während ich das Resultat zu meinem Mund führe greift er schmunzelnd nach meiner Hand und klaut das Gebilde darin um es selbst zu verschlingen. In frühen Morgenstunden würden wir Wettrennen zur Toilette veranstalten und nach der Geburt würde er allen unseren Freunden erzählen wie viel schmerzvoller seine Geburt im Vergleich zu meiner war. Armer Mann. Ich bekomme gerade so viel Mitleid mit meinem Phantasie-Mann, dass ich froh bin, dass die Natur sich für uns Menschen anders eingerichtet hat.
(to be continued)
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