Sonntag, 25. August 2013

Von Foodporn und dem gefälschten Carpe diem



Oder: welche Berechtigung hat heutzutage noch ein Scheiss-Tag?

Als ich es das letzte Mal von „Carpe diem“ hatte, ging es hauptsächlich um schwarze Tinte auf muskulösen Männeroberarmen. Auch wenn das Bild nicht schlecht ist, lässt es mich aus einem anderen Grund nicht mehr los. Das oldschool CARPE DIEM hat eine Subline bekommen: „Lebe jeden Tag, als wäre es dein letzter“ und damit bin ich absolut nicht einverstanden. Im Gegenteil, ist das nicht gefährlich und selbstzerstörerisch?

Die simple Übersetzung „Geniesse den Tag“ ist laut Literatur nicht ausreichend für das Sinnbild, das Horaz zeichnen wollte. Die knappe Lebenszeit heute geniessen und nichts auf morgen zu verschieben, war seine Forderung dahinter.  Doch jeden Tag damit zu verbringen damit zu rechnen, das man morgen vielleicht nicht mehr unter den Lebenden verweilt, kann doch nicht gesund sein. Es hält uns davon ab mit dem euphorischem Optimismus aus dem Bett zu steigen der sagt „Hey, ich bin einer von hunderten Tagen deines Lebens, mach mit mir was du willst.“

Stattdessen rubbeln wir uns die Finger auf Aluminium-Silikat wund und versuchen, möglichst beiläufig wirkend, zu dokumentieren wie sehr wir unseren Tag genutzt haben. Diese Modellierung unserer selbst durch den Filter des Internets hat den Vorteil, dass wir nicht zeigen müssen wer wir sind – sondern aus uns machen können, wer wir sein möchten. Wir sind unfassbar sportlich, reisen an die beeindruckendsten Orte, essen das beste Essen der Stadt oder sind selbst fotogefilterte Spitzenköche auf gelbstichigem Farbfilter an hübschem Retro-Rähmchen. Dank „sozialer“ Plattformen sind wir nicht mehr alleine, egal was wir machen. Wir stehen unter der Beobachtung einer Masse die wir als „Freunde“ deklariert haben. Der permanente Druck das Beste aus einem Tag heraus zu holen und dabei möglichst ein oder zwei Freunde in Perfektion und Extravaganz zu übertrumpfen. Wenn die Dokumentation des Erlebten wichtiger wird, als das Erleben selbst. Wie viele verwackelte Konzertmitschnitte auf denen weder der Sänger noch der Sound erkennbar waren habt ihr schon ansehen müssen? Da waren doch Tante Monis Ferienbilder aus Sylt noch spannender.

Eine Frage: wenn ich einen Tag geniesse – darf ich ihn gleichzeitig auch vergeuden? Wer kennt sie nicht, diese verregneten Ekel-Tage nach einer anstrengenden Woche im Büro. Die, die man auf der Couch lungernd vor MTVs „Geordie Shore“ liegt und bis zum Abend nichts Besseres im Sinn hat, als eventuell mal auf Arte nach einer Pinguin-Dokumentation Ausschau zu halten. Auch der Teller Spaghetti wird an diesem Tag nicht schöner, wenn man ihn durch den Fotofilter jagt. Ich stelle mir im Gegensatz dazu immer vor, dass diese „Carpe diem“-Menschen mindestens einmal die Woche einen Bungee-Sprung machen und vor dem Ins-Bett-Gehen jeden Abend die Hände falten und sich für den tollen Tag bedanken. Nur, damit das auch vorm lieben Gott dokumentiert ist – sollte das Leben am Ende des Tages dann doch vorbei sein. Wäre es nicht viel sinnvoller die Hand seines Partners zu schnappen, oder der besten Freundin zu schreiben und wilde, kleine und grosse Pläne für die Zukunft zu schmieden?

Betrachten wir uns einmal nicht als Individuum, sondern als Teil der Gesellschaft scheint uns doch auch nichts wichtiger zu sein, als Nachhaltigkeit. Wie sonst erklären wir die überdimensionierten Absätze von Bio-Label-Produkten? Wir achten nicht nur auf soziale Vertretbarkeit unserer Bananen sondern möchten, dass Äpfel aus der Region kommen, zwar wurmfrei aber mit einem grünen Bio-Kleber. Wenn die Nutzung eines unumgänglichen iPhones schon zahlreiche unglückliche Seelen in China, Indien oder sonst wo fordert, dann sollte doch wenigstens der Kaffee-Anbauer von einem liebenswürdigen Label ein paar Rappen mehr zugesteckt bekommen, damit der Kaffee auch gleich wieder viel besser schmeckt. Wir verschlingen Gesundheitstipps die uns das Alter erleichtern sollen. Wir quälen uns zum Sport, auch wenn gerade diese neue TV-Serie laufen würde die wir sehen wollten. Warum, wenn doch heute unser letzter Tag sein könnte. Glauben wir etwa heimlich doch an ein „morgen“?

Das Leben als solches hat sich keiner von uns ausgesucht. Unsere Eltern haben das für uns entschieden. Ob aus Vernunft oder Spass daran, haben wir uns dann im Verlauf der Jahre entschieden dieses Geschenk anzunehmen und mit mehr oder weniger Sinn zu füllen. Dabei ging es immer um das Leben als Ganzes und nicht um den Tag, der gerade auf dem Kalenderblatt prangte. Und dennoch werden wir ständig von diesen Zitat-Junkies aufgefordert alles was wir haben, genau heute zu verschwenden. Wir planen akribisch, wir präsentieren uns wohlbedacht, wir bauen um unsere Persönlichkeit eine Hülle der Unverwechselbarkeit. Warum dann nicht auch mal wieder laut heraus „träumen“. Mal wieder ganz ehrlich auf einen Tag verzichten und das Morgen wichtiger machen wie das „Jetzt sofort“. Entschleunigen würde die Presse dazu sagen, geniessen würde meine Grossmutter es wahrscheinlich nennen und wir? Wir nennen es wahrscheinlich bald Unabhängigkeit. Solange wir bei allem was wir tun links und rechts schauen, werden wir immer den Kürzeren ziehen. Denn was ist eine 30 Meter Jacht, wenn eine 50 Meter Jacht daneben steht? Das feinmaschige Netz des Internets, das uns ständig die Freundes-Freunde unserer sogenannten Freunde vor die Nase hält hat immer eine Geschichte parat, die unser kleines Leben übertrumpfen wird. Also heisst es für uns: einmal ganz tief in sich hinein hören. Was will ich, was ist mir wichtig und was macht mich glücklich. Nur mich. Nicht die anderen. Ich nenne es das „Dose Ravioli“-Symptom. Eignet sich weder für Gourmet-Bilder noch für grosse Ereignis-Berichte, aber ich kenne doch den einen oder anderen da draussen, den eine Dose Ravioli glücklich macht. Und noch ein kleiner Tipp am Rande, habt ihr euch schon mal dabei erwischt euren Freunden eine Geschichte merklich beschönigt und ohne schmutzige Details erzählt zu haben? Das ist das Wunder des „social media“, ein Schimmer-Filter zwischen dir uns der Wahrheit der anderen.

Freitag, 19. Juli 2013

Ein schwarzer Sommer



Oder: noch ein diem der gecarpt wird

In diesem Sommer gibt es nur zwei Dinge über die sich jeder lauthals beschwert. Das erste verdanken wir diesem seltsam beleidigenden Frühjahr (ich nehme das persönlich), das sich mit trotzenden Regenwolken und bibber-kalten Nachmittagen bis in den Juli hinein breit gemacht hat. So sind wir alle zu kleinen Meteorologen geworden. „Noch NIE hat es einen solch kalten Juni gegeben!“  „Und sowieso, der Regenfall pro Quadratmeter konnte auf dem städtischen Betonboden, dank des Baufortschritt des letzten Jahrzehnts, nicht mehr vom rohen Landboden aufgesaugt werden.“ Öhm, ja – gesundes Halbwissen und gesellschaftlicher Pessimismus.

Genug gejammert über das Wetter, jetzt reisst man sich zum Glück wieder in alter Sommer-Manier die Kleider vom Leib und tummelt sich an den Schauplätzen der Stadt. Doch, oh Schreck, über den langen Winter hat sich eine Seuche ausgebreitet. Sie ist schwarz und grossflächig, meist am Rücken oder an den Oberarmen ausgebrochen – breitet sie sich vom Brandherd weg schnell auf dem ganzen Körper aus. Es sieht aus, als wäre irgendwo ein Poesie-Album geplatzt und die herumfliegenden Seiten hätten sich auf den Körpern der im Winterschlaf liegenden Stadtkinder eingebrannt. Wenn man mal nicht weiss, was man der unbeliebten Tante in die Geburtstagskarte schreiben soll, muss man sich nur auf einen Spaziergang um den See begeben und es hagelt nur so an Lebensweisheiten in Form von tief in die Haut gestochenen Tinte-Kritzeleien. 

Ein weiterer Schritt der (R)Evolution? Ätsch lieber Gott, du hast uns zu ähnlich gemacht, jetzt zeigen wir dir was wir können! Es ist die Fortsetzung zu „Ich versteh die Welt nicht mehr“, ich hätte heute wieder anfangen können mit: Dazugehören kann man heute nur, wenn man nicht dazugehört. Laut Literatur war das Tattoo einst eine Markierung um Zugehörigkeit zu zeigen. Und wir bestreben das Gegenteil, möchten möglichst individuell sein, mit der Nebenwirkung, dass wir am Ende alle wieder gleich sind. Es ist unsere Schizophrenie. Unsere Generation sucht verzweifelt das Mittel zur absoluten Individualisierung und endet in der Masse der Gleichheit. Man kann Müsli im Internet bestellen, bis aufs einzelne Korn individualisiert. Und kurz bevor man seine Individualität in einem Schüsselchen mit Milch ertränkt, schlägt der Onlinegenerator uns ein ähnliches Müsli vor, das total gut zu unseren Bedürfnissen passt. Ade ich, Hello alle.

Ein anderer Gedanke: die Fachliteratur definiert, dass sich eine Marke bildet, indem man eine Schrift- und/oder Bildmarke erstellt welche die Werte der Marke wiederspiegelt und nachhaltig dafür steht. Ist es das? Wollen wir alle kleine Unternehmen sein, die sich durch Wort und Bild langfristig anderen gegenüber positionieren? Sind wir in einem menschlichen Konkurrenzkampf um die vorderen Ränge der Gesellschaft getreten, indem wir uns mit Bildern versehen? Was früher das Einfamilien-Reihenhaus war, ist heute das Carpe diem auf dem Oberarm? Der Wert der Marke definiert sich aber auch über die Einzigartigkeit, solange also Sprüche aus Alben geklaut und Bilder abgepaust und aufgeklebt werden, sind wir nicht mal einen Platz im Supermarktregal wert.

Also wer sind wir und sind wir uns selbst nicht genug? 

Machen wir ein Experiment, lauf ein Stück und nach einer Weile bestimme ganz genau wo du bist. Wie machst du das? Die altmodischen Kauze unter uns sagen nun, blicke zurück – oder blicke nach vorn und mach dir ein Bild wo du stehst. Die Technologie verwöhnten unter uns, greifen automatisch zum Handy und stellen die Standortbestimmung irgendeiner vorinstallierten Software ein. Und wo stehen wir nun wirklich? 

Und so geht es auch mit der Frage nach dem „wer sind wir“? Der Weg der hinter uns liegt? Der Weg der vor uns liegt? Und was macht es aus uns, dass das Internet uns ständig sagt wer wir sind und was wir am liebsten möchten? Am Ende ist es doch nicht weiter verwunderlich, dass wir uns unsere Geschichte auf die Haut holen, sowie unsere Wünsche an die Zukunft um wenigstens den Augenblick bei uns halten zu können.

Dienstag, 16. Oktober 2012

Ich versteh die Welt nicht mehr

Oder: aus neu mach alt!

Dazugehören kann man heute nur, wenn man nicht dazugehört. Das haben schon viele festgestellt, darum sehen heute alle so aus, als wollten sie niemandem gefallen. Schönheit ist relativ geworden, schuld daran ist die Leggins (aber das ist eine andere Geschichte).

Das Phänomen greift um sich und die Gesellschaft applaudiert lautstark in die Hände. Akzeptieren müssen wir heute alles, was nicht in eine Schublade passt. Der Mensch entwickelt sich zurück zu dem, was er einmal war. Ein Rudel wird akzeptiert, wenn ein gemeinsames Ziel verfolgt wird. Steht das Rudel einem egoistischen Ziel jedoch im Wege, jammert sich der Betroffene zum „Prügelknaben“ und übt den Aufstand. So haben wir heute die gesellschaftliche Pflicht unsere eigenen Ideen vom Leben durchzusetzen, die Nachfolge der Emanzipation der Frau ist die Emanzipation des Individuums. Klingt im ersten Moment logisch und nicht unbedingt zu verachten. Aber was ist der Preis? Abgesehen von optischen Ausprägungen, die ein bisschen mehr wie gewöhnungsbedürftig sind, funktionieren wir gemeinsam auch nicht mehr nach dem klassischen Prinzip. Man nennt das die Generation Y. Entscheide morgen, lebe heute. Keine Kompromisse. Probiere was gefällt. Lebe nach deiner Vorstellung. Aber was fehlt, ist die Vorstellung davon, was das genau sein soll.

Also bedienen wir uns an der Vergangenheit. Mode, Möbel, Musik, alles war schon mal da und wird mit einem pseudo-futuristischen Hauch in die Gegenwart integriert. Alt verpflichtet zu adel. Nicht etwa das alt-sein, mehr das alt-schein. Auch wenn das kein Wort ist, die Bedeutung ist wichtig. Auf Shoppingpages steht dafür das Synonym „Retro“. Was einmal normal war, muss heute cool sein. Ein Indiz für die Ideenlosigkeit unserer Generation? Erst haben wir alles kopiert, als das nicht mehr reichte haben wir uns nach den Ursprung gesehnt: Vintage. Wer von Grossmutti noch etwas ergattern konnte hatte Glück, der Rest musste sein Sparschwein plündern. Ein paar kreative Köpfe haben sich gegen diese kapitalistische Ausbeute des Erbes gewehrt und einen neuen Trend erfunden: die gezielte Zerstörung des Neuen. Mit Erfolg, heute kauft man Shabby-Chick.

Die gesellschaftliche Verantwortung dem Alter gegenüber bleibt dabei aber auf der Strecke. Wir verehren das Alte und ignorieren die Alten. Wir veraltern unsere Umgebung und verjüngern uns selbst. Wir ehren die Vergangenheit und ignorieren die Zukunft. Und sowieso, die vergangenen Zeiten haben etwas, das wir scheinbar vergessen haben: Zeit. Was ist diese Zeit und wo kommt sie her? Durch Forschung, Technologie und unnachvollziehbare Berechnungen haben wir unsere zeitliche Effizienz gesteigert, also sollten wir entspannter sein denn je. - Das war eine rhetorische Aussage, wenn es sowas gibt. - Wie schön, dass wir gegen den Kapitalismus ein Rudel gebildet haben, das auf öffentlichen Plätzen campiert, mit dem iPhone in der Hosentasche. Kann man nachverfolgen, wie viele E-Mails, Facebook-Posts, Tweets und SMSn vom Zuccotti Park vom 17. September bis zum 15.November versendet wurden? Dagegen einen Statistik wie viele Postbriefe am gleichen Platz in der gleichen Zeit aufgegeben wurden? Wir haben also etwas verbessert ohne eine Verbesserung zu erhalten. Das ist wie die Bilder auf dem WC Papier, der direkte Nutzniesser hat am Ende nichts davon. Wir versuchen Zeit zu sparen, weil wir nicht wissen wie sie überbrücken. Was würde man heute machen, wenn man drei oder vier Tage auf eine Antwort warten müsste? Uns fehlen die Ideen!

Los Rudel … lasst uns wieder zusammen Zeit verschwenden. Wie damals, frag mal Opa!

Mittwoch, 15. Februar 2012

Ich liebe Bad Boys

ich will nur keinen

Es gibt eine Zeit im Leben junger Frauen, da werden Männer anhand einer Handvoll unlogischer Kriterien ausgewählt. Ganz zuvorderst: er darf den Eltern bloss nicht gefallen. Ein Mann, bei dem die Mutter verzückt in die Hände klatscht und der Vater ihn freundschaftlich in den Arm nimmt, den will keiner. (Ganz anders übrigens bei jungen Männern, Ziel ist schon ein süffisantes Zwinkern des Vaters hinter dem Rücken der Mutter.) Diese Revolution ist legendär, geschichtsträchtig und lange nichts Neues. Man redet von Aufstand, loslösen vom Elternhaus und der Idee, alles anders zu machen wie das, was man nun seit Jahren gesehen hat.

Ich als Vater würde das persönlich nehmen. Da würde ich vor den Spiegel stehen, die Brille auf dem Nasenrücken hin und her schieben und überlegen, was an mir so schlimm ist. War ich denn kein Vorbild für mein Töchterlein? Wahrscheinlich nicht, sage ich, als Tochter. Nicht, dass Mann etwas anders machen könnte, in den knapp 13 Jahren bis zur ersten Gegenüberstellung mit seinem Komplementär bleiben. Nein, da bleibt diese Anziehungskraft des Unbekannten. Fräulein möchte hinter die Fassade dessen sehen, was sie nun kennengelernt hat. Wäre ein interessantes pädagogisches Modell, sich als Vater 13 Jahre lang wie ein ungebildeter, trotziger, mies-erzogener Teenager zu verhalten um zu sehen, welchen Mann sich das Töchterlein dann aussucht. Ich möchte wetten, es ist ein liebenswerter Jungspund, falls es sowas heute noch gibt.

Was wäre wenn…
Hollywood hat es uns vorgemacht. Mädelsabend, im Zentrum des Films steht ein Mann, der nach allen Regeln der Menschlichkeit alles falsch macht. Zumeist mordet, prügelt, trinkt, raucht, pöbelt er. Trotzdem sitze ich da und hoffe und bange für den Erfolg dieses Anti-Typen. Ich liebe Bad Boys. Ein heimlicher Gedanke verfrachtet den Herren auch gerne schon mal zu mir nach Hause. Aber dann stellen wir das Popcorn zur Seite, ich drücke meinen Freundinnen ein Küsschen auf die Wange und wir machen uns auf den Heimweg.

Was wäre wenn ich die Türe aufsperre und mir eine Wolke Zigaretten-Rauch entgegen strömt? Und dann sitzt er da. Muskeln zwischen Kinnlade und kleinem Zehen. Feinripp der sich an diesen entlangschlängelt, in die Haut versenkte Bilder aus Tinte, Haare im Gesicht statt auf dem Kopf. Entzückt klatsche ich diesmal in die Hände und ignoriere den Gestank. Er steht auf, drückt mir ein Kuss auf die Stirn (in diesem Moment bin ich froh, dass wir uns nicht innig küssen, Bier & Zigaretten sind nicht gerade die charmantesten Liebhaber) und schlängelt sich an mir vorbei ins Badezimmer. Stehend vor dem WC lässt er keine Geheimnisse offen. Der neugierige Blick bleibt aber nicht da hängen, wo er sollte, sondern folgt den Tropfen die links und rechts aus dem WC springen. Seufz. Aus dem romantischen Kochen für zwei wird wohl auch nichts, heute. Schliesslich essen Bad Guys Spaghetti aus der Dose, kalt, oder lassen sich von halbbekleideten, scharfen Pizza-Lieferantinnen etwas bringen. Fragen ist nicht erlaubt. Papa konnte wenigstens kochen. Und er stand mit mir neben dem Topf und brachte mir bei, wie es klingt wenn Wasser siedet und dann endlich kocht. Ohne den Deckel zu lüpfen. Papa, naja – aber der sieht auch nicht gut aus in Feinripp.

Wir sind alle schon etwas älter, als diese frechen Gören die ihren Eltern etwas beweisen möchten. Dennoch zieht es uns immer noch magisch an. Das Ungewisse eines bösen Mannes. Unberechenbare Momente, die zumeist im Schlamassel enden, wenn man sie von der Leinwand ins Wohnzimmer holt. Viel länger können wir uns nicht mehr in die Ausrede verflüchtigen unsere Väter hättens uns vorgemacht. Falsch vorgemacht. Finden wir unsere Väter langweilig? Sind sie es? Oder unterschätzen wir sie? Waren sie vielleicht nicht ehrlich zu uns? Der erste Mann der uns durchs Leben begleitet, ist nun mal der Vater, also die Null-Version von dem, was wir später von Männern im Kopf haben. Unser Vater wollte sicher auch mal der Bad Guy für eine Generation Frauen sein. Und dann hat er sein Baby in den Armen gehalten und beschlossen – er will es prägen. Ihm die Welt zeigen und ein Vorbild sein, ein solches das sich dann auch einprägen kann. Auch wenn er sich dadurch vom Ruf trennen muss, seinen Schwiegereltern einfach nicht gefallen zu dürfen.

Vorbild sein hat eine gewisse Vernunft zur Voraussetzung. Vernunft ist rasiert. Vernunft ist Gemüse. Vernunft ist früh ins Bett. Bad Guys sind Bartstoppeln, Pizza und wenig Schlaf. Wer einmal Bad Guy hatte weiss: Stoppeln kratzen, Pizza macht fett und Schlafen kann so schön sein. In den Armen des richtigen. Drum überlassen wir Feinripp doch dem Beckham und stehen lieber zu zweit um einen Topf Pasta.

Freitag, 27. Januar 2012

Die Entwaffnung der Wut

Oder: Wieso hat da keiner dran gedacht?

Ich bin ein bisschen neidisch auf Luke. Ja dieser glückliche, dieser Bilderbuch Cowboy, dieser Lucky Luke. Sein „Lebtag“ hat es keiner gewagt vor einem Duell sich an seinem Gürtel zu vergreifen. Was wäre denn nur passiert, wenn einer einmal seine Revolver verdreht hätte oder gar durch eine andere Waffe ersetzt hätte. Eine Waffe mit Touchpad? Wie hätte Lucky Luke da wohl reagiert? Wahrscheinlich hätte er sich umtaufen lassen müssen in Angry Luke … nein, das passt nicht zum Namenssyntax: Livid Luke.

Also was wäre das für eine Welt in der Livid Luke auf Grund von fieser Manipulation nicht mehr grinsend seinen Gegnern entgegentritt, sondern Fluchend. Fluchend, weil er die Wut nicht mehr in einem einzigen, schnellen Schuss in Luft auflösen könnte. Keiner wäre je auf die Idee gekommen. Also was haben sich die Forscher, Ingenieure, Technologie- und Autokonzerne und Steves dabei gedacht? Die moderne Welt hat sich verändert und Veränderung ist nichts Schlechtes. Allerdings braucht man in dieser Welt auch viel Durchsetzungsvermögen. Zum Beispiel als kleines Auto zwischen all den grossen. Wenn ich hinter meinem Steuerrad versuche mit einer Rechtsbewegung (Steuerrad mit der linken Hand eingeschlagen) in einer langsam vorwärtsbewegende Autokolone einen Platz zu ergattern und mir dieses mehrfach durch rüpelhaftes Benehmen der grösseren Autos verwehrt wird. Dann möchte ich mit einer schnellen, gedankenlosen Bewegung meinem Ärger Luft verschaffen. Einmal schiessen, einmal aufs Lenkrad hauen und viel Lärm machen. Ganz wie Lucky Luke. Beim Versuch musste ich jedoch feststellen, dass meine Hupe nicht wie bisher in der Mitte des Steuerrades platziert wurde, sonder links dahinter an dem kleinen Hebelchen fürs Licht. In dieser Szene halte ich also das Lenkrad mit der linken Hand um gut 90 Grad gedreht und soll mit der rechten Hand quer darüber greifen um hinter dem Lenkrad einen ein Zentimeter grossen Knopf drücken zu können. Hier wird doch die Wut über äussere Zustände und Verhaltensweisen mit der Wut über innenliegende, technische Gegebenheiten abgelöst. Was soll dann noch das Hupen?

Wut ist doch so etwas Befreiendes. Ich komme mit harmonie-süchtigen Menschen nicht klar. Das banale Streben danach, aus jeder Situation das schönste zu machen, nur damit keiner sieht wie sich das Gesicht in Falten und Gruben legt wenn man wütend wird? Wer möchte schon händchenhaltend und barfuss durch den HB springen, als wäre es eine Wiese voller Blumen? Man kann doch nicht immer lieb sein. Man darf gar nicht immer lieb sein.

Jetzt ihr, liebe Steves der Welt, die mir die Telefoniererei versaut haben (ja mein lieber Wozniak, auch du!). Na klar, ich laufe auf und ab, fuchtle mit meinen Händen und diskutiere. Soweit schön und gut, das mit dem auf- und ablaufen ist schon mal ein Vorteil der neuen Technik. Aber dann kommt das Ende eines Telefonats, wenn ich immer noch voll Emotionen bin. Früher konnte man dann wutentbrannt den Hörer auf die Gabel knallen und schon alleine der Wiederhall des Hörers gab einem einen gewissen Seelenfrieden. Was macht man denn heute nach einem Telefonat? Mit der Fingerspitze dem berührungsempfindlichen Bildschirm einen kleinen Stups geben. Man mag sich das nur einmal vorstellen: „…verdammt noch mal, das lass ich mir nicht bieten! Vergiss es …“ und *stups*. Und dann blinkt noch das zufrieden grinsende Kontaktbild auf dem Monitor auf, bis man dieses mit einem weiteren Stupser von dort verbannt. Wieder: statt die Wut entlang des Armes bis in die Fingerspitzen zu kanalisieren und dort in Kraft und Aktion zu verwandeln – stauen sich alle Emotionen quer durch den Körper an. Eine unfassbar angespannte Situation entsteht. Kann man die moderne Technik auf Schadensersatz verklagen? Langsam habe ich nämlich das Gefühl, dass ich meinem Umfeld einen schulde.

Ich bin dafür, dass die Krankenkassen einen Fragebogen einführen. Für alle Besitzer von missbildeten Autos und anderen missverstandenen Verkehrsteilnehmern, für Benutzer von Smartphones und Fans von Livid Luke sollte es eine Entschädigung geben. Ein gratis Abo im Boxclub des Vertrauens oder zumindest einen Haufen Cocktailgutscheine für alle Freunde und Verwandte. Im Gegenzug gibt es massive Vergünstigungen für präventiv handelnde Mitglieder. Ich hab mir gleich ein Telefon gekauft, mit Kabel und Hörer. Die Nummer kennt nur meine Familie, mehr muss ich dazu ja nicht sagen.

Mittwoch, 4. Mai 2011

Traumfrauen im Wandel

Oder: unmögliche Gottheiten

Als erstes google ich „Träumen“ und stosse auf den Satz: Das Traumgeschehen handelt häufig von Dingen und Ereignissen, die theoretisch unmöglich oder in der Wachrealität unwahrscheinlich sind.

Wenn ich Wiki dagegen nach „Frauen“ frage, dann bekomme ich Definitionen von Chromosomen bis Gottheiten.

Zusammengefasst kann man also sagen, eine Traumfrau ist per Definition eine unmögliche Gottheit. Etwas, das Männer sich ausdenken, wenn sie nicht ganz bei Sinnen sind um es anschliessend anzubeten. Wir normalen Frauen stehen diesen Träumen dann mit unserer nüchternen Realität nach. Doch wir sind nicht die einzigen, die bei dieser Form von Alltagsflucht den Kürzeren ziehen. Die Traumfrau als solche ist im Wandel. Die kochende, schürze tragende Super-Mami von der unsere Grossväter noch schwärmten hat ausgedient. Mit einem dampfenden Teller bestgekochtem Essen kann man den Herren von heute nicht mehr überraschen. Dank chefkoch.de können die das nämlich selbst. Dank Jamie Oliver, der beim Kochen aussieht als würde er gerade ein Auto reparieren, ist das hantieren mit (möglichst grossen) Küchenmessern und Gemüse heute keine Schande mehr. Kinder sind ja heute kein Thema mehr, die bekommt man oder eben nicht. Dann adoptiert man sich seine Rasselbande zusammen oder übernimmt leihweise die Kinder der Kollegen, damit die endlich mal wieder feiern gehen können. Der pädagogische Auslebezwang kann also einfach und unkompliziert umgesetzt werden und ist bei weitem kein Kriterium für eine „gute Frau“ mehr.

Der gemeine Mann scheint also langsam nichts mehr von seiner Partnerin zu erwarten. Stattdessen jammert der werte Herr sich nun durch die Fachzeitschriften dieser Welt und beklagt sich, dass die Emanzipation ihm alle Möglichkeiten der Eroberung genommen hat. Frauen wollen nur noch Karriere machen und machen sich in den Gefielen der Herren breit. Sie sind stark, pro aktiv und wissen was sie wollen. Plötzlich sollten Männer lieber Traummänner als Prinzen sein? Was ist denn da der Unterschied?

Ein Mann ist per Definition in erster Linie ein Junge der die Volljährig zu irgendeinem Zeitpunkt erreicht und überschritten hat. Der den durch die Gesellschaft und die Geschichte vorgeschriebene Status des überlegenen Retters erfüllen muss um seinem eigenen Klischee entsprechen zu können. Ein Mann ist in einer Runde Menschen daran erkennbar, dass er zumeist die breiteren Schultern, die dunklere Stimme und die haarigeren Wangen hat. Fehlt eines dieser Merkmale verschiebt sich die Anerkennung seiner Spezies in der besagten Runde sehr schnell irrational. Und Anerkennung ist etwas, was Männern zur gleichen Zeit irrational wichtig ist. Beobachtet man Männer, die einen Witz oder nur eine vermeidlich lustige Geschichte erzählen, so sollte man gegen erreichen der Pointe einmal genau den Blicken folgen. Der Erzähler erhebt die Stimme, reckt bedeutungsvoll das Kinn in die Höhe und setzt zu einem Lachen an. Die Zuhörer erkennen die herannahende Pointe, vergessen zumeist von diesem Moment an zuzuhören (fehlende Kompetenz zum Multitasking) und blicken die anderen Männer in der Runde an. Erst wenn gegenseitig die Blicke abgefangen wurden und man dabei stillschweigend vereinbart hat, die Situation als lustig zu befinden wird los gelacht. Dies wiederum gibt dem Erzählenden die Möglichkeit seine Pointe noch das ein oder andere Mal lauthals und mit zahlreichen neuen Adjektiven zu wiederholen. „… sie hats gerochen. *röchel*lach*schnauf* … sie hats tief eingeatmet und es gerochen! *glucks*grunz*schnaub* … sie lief fast grün an, als sies tief eingeatmet hat und dann alles auf einmal gerochen hat!“ Wie kommt man als anerkannter Mann mit allen wikipedia-definierten Attributen nun also zum Traummann? Zum Prinzen war der Weg nicht weit. Phallussymbolisch wurde das Schwert gezückt und geschwenkt bis die Prinzessin sich bereitwillig in die Arme des Retters stürzte. Aber gerettet will ja heute keiner mehr werden. Schwäche ist schliesslich die Achillesferse unserer Generation. Also zurück zum Traummann, der dann in irgendeiner Weise der Traumfrau auffallen muss. Ausgehend davon, ist es also notwendig die männlichen Eigenschaften mit weiblichen Träumen zu verbinden.

Um den Strom von Vorurteilen an dieser Stelle zu unterbinden, wir sprechen sicher nicht von bequemen High Heels und kalorienlosen Schokoriegeln. Träume von Frauen die inzwischen alles selbst erreichen können sind viel diffiziler: ein Mann muss „überraschen“ können. Und das wars dann auch schon. Mit dieser Information stehen die Herren nun da, recken ihre Kinne in die Höhe und suchen nach Anerkennung ohne zu wissen wofür eigentlich. Man könnte es eine Art „Rache“ nennen. So unerreichbar wie der Status der Traumfrau jahrzehntelang war, so unerklärbar ist die Definition eines Traummannes heute.

Aber ein Tipp zum Schluss: googelt man Traummänner in der Bildersuche, sieht man reihenweise Bauchmuskeln. Versucht es damit, Jungs!

Samstag, 23. April 2011

Es ist Sommer!

Oder: Stapsen-Bräune

Ich kann leider nicht bis zum Ende dieses Textes warten um mein Highlight des Tages zu erzählen. Man sollte das ja so machen, Spannungsbogen und so. Aber ich schaff es nicht. Es ist diese Frau, die rechts von mir lag. Solange ich auf dem Bauch blieb war sie rechts, wenn ich mich auf den Rücken drehte war sie plötzlich links. Aber dann auch hinter mir und so kann ich sie ja nicht mehr sehen.

Also drehen wir uns doch gemeinsam wieder auf den Bauch, haken die Zehenspitzen im Boden ein und stützen uns auf die Ellenbogen. Und dann sehen wir sie, die genialste Bräune aller Zeiten. Schöne lange Frauenbeine ganz in Milchschoggi-Bräune getränkt. Ganz? Nein nicht ganz – in der Mitte der Oberschenkel zieht sich ein klarer Streifen durch die Haut. Hier wechselt die Tönung von Schoggi zu Sahne. Zuerst dachte ich die junge Dame hätte vergessen die Stapsen abzuziehen, als sie sich in den Bikini geschmissen hatte. Nichts Ungewöhnliches für die Gesellschaftsstruktur Zürichs, die an diesem Flecken mit einem präsentablen Querschnitt vertreten ist. Aber bei längerem betrachten komme ich zu dem Schluss: sie hat Straps-Bräune. Ich fange an mir vorzustellen, dass sie diese nicht bei kilometerweiten Velotouren an der Sonne eingebrutzelt hat, sondern, dass heute Morgen in ihrem Briefkasten ein Werbeflyer lag. „Neu Neu Neu – erleben Sie Bräune in neuer Dimension, das innovative Bräunungssystem von Sparkel zaubert Ihnen nicht einfach goldige Bräune auf die Haut, sondern schmückt Sie gleichzeitig mit individueller Accessoire-Bräunung. Verführen Sie mit dieser Technologie und überraschen Sie einmal ganz neu.“ Wer würde nach so einem Text nicht auch ins Studio um die Ecke laufen und sich zwischen Karo-, Nadelstreifen- und Strapsbräunung für die optische Abgrenzung entscheiden.

An diesem Flecken Grashalmansammlung in Zürich würden sich sicher ein paar Menschen (hier absichtlich undefinierten Geschlechtes) finden. Ich dreh mich mal wieder auf den Rücken und lasse die Dame hinter mir. Sie hat sowieso gerade Besuch bekommen. Hier auf der Wiese tummeln sich wie schon gesagt ein ganzer Haufen Städtler aus allen möglichen und unmöglichen Teilen der Gesellschaft. Es zeigt sich eine pseudo Loyalität gegenüber den sonst getrennt lebenden Persönlichkeiten, die ihnen manchmal selbst ungeheuer wird. So zum Beispiel der Vater, der mit seiner Tochter, wahrscheinlich gerade 6 Jahre alt geworden, ein Plätzchen sucht. Dort erspäht er ein, ihm passend erscheinenden, Raum zwischen den zahlreichen Badetüchern. Er schnallt sich den Rucksack von den Schultern und schaut sich in seinem neuen Umfeld um. Noch während er sich nervös am Handy-Halter in Hüfthöhe festhält, entdeckt er eine junge Frau neben sich, die gerade in aller Ruhe dabei ist, einen Joint zu bauen. Aus rein pädagogischer Sicht, müsste er jetzt weiter ziehen, aber die Dame hat ihn schon entdeckt und lächelt zuvorkommend hinter der Sonnenbrille vor. Da hat er keine Chance mehr. Als offener Stadtmensch findet man ja solche grauzone-legalen Handlungen völlig okay und vielleicht sollte man diesen Wert auch an die Tochter weiter geben? Sie lassen sich nieder, auf ihrer karierten Picknickdecke, mit dem Hello-Kitty-Ball und der passenden Trinkflasche. Ist warm Kind, trink ausreichend. Auch ein guter, pädagogischer Rat.

Hinter mir (wenn ich auf dem Rücken liege, ansonsten links vor mir) haben sich ein paar alternde Party-Szenies versammelt. Es fing harmlos mit zweien an, die sogar schon baden waren um anschliessend jeweils drei ihrer „besten Freunde“ via Telefon darüber Bericht zu erstatten. Wer in Züri zum In-Volk zählen will, muss ja irgendwie alles als erster gemacht haben. Da kann man den ersten (unfassbar kalten)Schwumm im See nicht auslassen, bloss weils unangenehm ist. Pfennig-Absatz-Schuhe sind auch nicht bequem, aber eben – schwer angesagt. Von den Herren lerne ich, dass man jetzt nicht mehr am Letten hängt im Sommer. Weil es ja schon der „ends geilschtä Ort xsi isch“ in den letzten Jahren, aber eben – seit dieser Saison hängen „diä huerä Drögis“ mit „dä Teller-Oigä“ dort. Und die sind zwischen 8 Uhr morgens und 23 Uhr abends echt uncool. Das hilft auch alle Städtler-Loyalität nichts mehr. Sowieso an so einem Wochenende gibt es ganz klar zwei Party-Fokus-Abende. Donnerstag (und der war natürlich unvergesslich) und Sonntag. Weil am Sonntag endlich mal alle im Ausgang sind, nicht nur die Telleraugen-Menschen.

Fussball spielt man auch nicht mehr, man diskutiert darüber. Wichtig sind dabei die internationalen Vereine, in Kombination mit den tollen Stadien. Oder man posiert auf dem Ball. In der Beugung von 110-Grad kommt der Oberschenkelmuskel schön zur Geltung und die Wade liegt wie auf einem Silbertablett, erhöht im Sichtfeld. Nein man spielt kein Fussball mehr. Man spiel Speedminton. Wenn mans kann. Die vorhin konnten es, da hats auch Spass gemacht zu zusehen, aber die beiden könnens nicht. Und die Tribüne kommentiert live mit. Das Urteil ist vernichtend. In meinem inneren Auge notiere ich mir: „Niemals Speedminton in der Öffentlichkeit ausprobieren.“

Also drehe ich mich wieder auf den Bauch und packe mein Buch aus. Da steht „Sarkasmus und Zynismus verhalten sich zueinander wie Böshaftigkeit und Bösartigkeit.“ Ich glaube die Livekommentatoren dieses Samstagnachmittags sind alles auf einmal und wissen vom meisten nicht mal wie man es schreibt.